Hintere Kreuzbandverletzung

Autor:

Dr. med. Matthias Jacobi

Ärzte Knie-Team

Zurück zur Übersicht

Zusammenfassung

Eine hintere Kreuzbandverletzung (HKB) ist deutlich seltener als eine vordere Kreuzbandverletzung und entsteht meist durch direkte Gewalteinwirkung auf das gebeugte Knie, beispielsweise bei Verkehrsunfällen oder Stürzen. Typische Symptome sind Schmerzen in der Kniekehle, ein Instabilitätsgefühl beim Bergabgehen und Schwierigkeiten beim Treppensteigen. Die Behandlung reicht von funktioneller Therapie mit Physiotherapie über dynamische Vorschubschienen bis hin zur operativen Rekonstruktion, abhängig vom Schweregrad der Verletzung und dem Aktivitätsniveau des Patienten.

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Was ist eine hintere Kreuzbandverletzung?


Eine hintere Kreuzbandverletzung betrifft das hintere Kreuzband (HKB), eines der vier Hauptbänder des Kniegelenks. Das hintere Kreuzband verläuft von der hinteren Fläche des Schienbeinkopfes zum inneren Oberschenkelknochen und verhindert, dass das Schienbein gegenüber dem Oberschenkelknochen nach hinten verschoben wird. Verletzungen des hinteren Kreuzbandes sind deutlich seltener als Verletzungen des vorderen Kreuzbandes und entstehen meist durch direkte Gewalteinwirkung auf das gebeugte Knie. Sie treten häufig in Kombination mit anderen Bandverletzungen auf und können zu erheblichen Funktionseinschränkungen führen.


Ursachen


Hintere Kreuzbandverletzungen entstehen typischerweise durch spezifische Unfallmechanismen:

  • Direktes Trauma: Aufprall des Schienbeins bei gebeugtem Knie, beispielsweise bei Verkehrsunfällen (Armaturenbrett-Verletzung)
  • Sturz auf das gebeugte Knie: Aufprall auf die Vorderfläche des Schienbeins
  • Hyperextension: Überstrecken des Kniegelenks über die normale Streckung hinaus
  • Sportverletzungen: Kontaktsportarten wie Rugby, American Football oder Kampfsport
  • Kombinationsverletzungen: Häufig gemeinsam mit Verletzungen anderer Bänder oder Knorpelstrukturen
  • Hochrasanztraumen: Schwere Unfälle mit massiver Krafteinwirkung


Symptome


Die Beschwerden bei einer hinteren Kreuzbandverletzung können je nach Schweregrad variieren:

  • Schmerzen im Kniegelenk, insbesondere in der Kniekehle und beim Bergabgehen
  • Schwellung des Kniegelenks, oft weniger ausgeprägt als bei vorderen Kreuzbandverletzungen
  • Instabilitätsgefühl, besonders beim Abbremsen oder Bergabgehen
  • Schwierigkeiten beim Treppensteigen, insbesondere beim Hinuntergehen
  • Gefühl eines „Durchrutschens" oder „Nachgebens" des Knies
  • Bei chronischen Verletzungen zunehmende Schmerzen hinter der Kniescheibe (patellofemoral)


Diagnose


Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination verschiedener Untersuchungsmethoden:

  • Anamnese: Erfassung des Unfallhergangs und der Beschwerden
  • Klinische Untersuchung:
    • Hinterer Schubladentest: Prüfung der hinteren Verschieblichkeit des Schienbeins
    • Quadrizeps-Aktiv-Test: Beurteilung der Kniestabilität bei Muskelanspannung
    • Beurteilung von Begleitverletzungen
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Darstellung des hinteren Kreuzbandes und Erkennung von Begleitverletzungen
  • Röntgenuntersuchung: Ausschluss knöcherner Verletzungen und Beurteilung der Gelenkstellung
  • Rolimeter Test: Messung der hinteren Verschieblichkeit unter Belastung


Differentialdiagnose


Bei ähnlichen Beschwerden sollten andere Ursachen ausgeschlossen werden:

  • Verletzungen der posterolateralen Ecke des Kniegelenks
  • Isolierte Seitenbandverletzungen
  • Meniskusrisse, insbesondere im Hinterhorn
  • Knorpelschäden oder Knochenprellungen
  • Kniekehlen-Zysten (Baker-Zysten)


Funktionelle Therapie


Bei einer hinteren Kreuzbandverletzung mit geringer Instabilität wird häufig funktionell behandelt:

  • Ruhigstellung: Tragen einer Knieorthese in den ersten Wochen
  • Entlastung: Teilbelastung an Unterarmgehstützen zur Schonung des Gelenks
  • Physiotherapie: Gezielter Aufbau der Oberschenkelmuskulatur, insbesondere des Quadrizeps
  • Propriozeptives Training: Verbesserung der Koordination und neuromuskulären Kontrolle
  • Medikamente: Entzündungshemmende Schmerzmittel bei Bedarf, in der Anfangsphase


Dynamische Vorschubschiene


Bei einer hinteren Kreuzbandverletzung mit mittelgradiger Instabilität kann die Heilung unter Anwendung einer dynamischen Vorschubschiene (PCL-Jack, PCL Rebound) positiv beeinflusst werden. Voraussetzung ist ein Therapiebeginn innerhalb von 3 Wochen nach dem Unfall.

  • Schiene: Die Schiene wird während 3 Monaten 24 Stunden pro Tag getragen
  • Physiotherapie: Im Anschluss an die Schienenbehandlung gezielter Aufbau der Oberschenkelmuskulatur, insbesondere des Quadrizeps
  • Propriozeptives Training: Verbesserung der Koordination und neuromuskulären Kontrolle
  • Medikamente: Entzündungshemmende Schmerzmittel bei Bedarf, in der Anfangsphase


Operative Therapie


Eine operative Rekonstruktion wird in folgenden Situationen empfohlen:

  • Kombinationsverletzungen: Gleichzeitige Verletzung mehrerer Bandstrukturen
  • Chronische Instabilität: Anhaltende Beschwerden trotz konservativer Therapie
  • Hochgradige Ruptur: Komplette Zerreissung mit erheblicher Instabilität
  • Sportliche Anforderungen: Wunsch zur Rückkehr zu anspruchsvollen sportlichen Aktivitäten
  • Junge, aktive Patienten: Erhöhtes Risiko für Folgeschäden bei konservativer Behandlung


Operationsverfahren


  • Arthroskopische Rekonstruktion: Minimalinvasiver Ersatz des hinteren Kreuzbandes mit autologem Transplantat (Patellasehne, Hamstring-Sehnen oder Quadrizepssehne)
  • Versorgung von Begleitverletzungen: Gleichzeitige Rekonstruktion weiterer beschädigter Strukturen


Nachbehandlung


Die Rehabilitation nach HKB-Rekonstruktion ist anspruchsvoll und dauert länger als bei vorderen Kreuzbandverletzungen:

  • Phase 1 (0–6 Wochen): Ruhigstellung in Streckstellung, Vermeidung der aktiven Kniebeugung gegen Widerstand, passive Bewegungsübungen
  • Phase 2 (6–12 Wochen): Vorsichtige Belastungssteigerung, gezieltes Quadrizeps-Training, Vermeidung isolierter Hamstring-Übungen
  • Phase 3 (3–6 Monate): Funktionelles Training, Verbesserung der Koordination, Beginn sportartspezifischer Übungen
  • Phase 4 (6–12 Monate): Rückkehr zu sportlichen Aktivitäten unter therapeutischer Kontrolle
  • Langfristig: Kontinuierliches Krafttraining und neuromuskuläre Stabilisation


Regelmässige Nachkontrollen durch den Operateur und eine engmaschige physiotherapeutische Betreuung sind essenziell für den Behandlungserfolg


Prognose und Langzeitaussichten


Die Prognose hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Isolierte hintere Kreuzbandverletzungen haben bei konservativer Behandlung oft eine gute funktionelle Prognose
  • Kombinationsverletzungen erfordern meist eine operative Versorgung und haben eine komplexere Rehabilitation
  • Das Risiko für frühzeitige Arthrose ist erhöht, insbesondere bei begleitenden Knorpelschäden
  • Mit konsequenter Rehabilitation können viele Patienten zu ihrem vorherigen Aktivitätsniveau zurückkehren
  • Die langfristige Kniegelenksfunktion ist bei adäquater Behandlung meist gut


Weitere Informationen


Dieses Informationsblatt soll Ihnen einen allgemeinen Überblick über die hintere Kreuzbandverletzung geben. Für eine individuelle Beratung, Diagnostik und Therapieempfehlung vereinbaren Sie bitte einen Termin in unserer Sprechstunde oder lassen Sie sich über Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt zuweisen.

Die vorliegende Patienteninformation ist eine Ergänzung zum persönlichen Gespräch mit dem Arzt. Risiken und Komplikationen werden im Rahmen des Aufklärungsgesprächs mit Ihnen besprochen. Im Text wird die männliche Form verwendet – die weibliche Form ist immer mitgemeint. © Orthopädie Rosenberg AG

Kontakt

Orthopädie Rosenberg

Praxis-Öffnungszeiten

Montag

08:00 -18:00 Uhr

Dienstag - Freitag

08:00-17:00 Uhr

Samstag - Sonntag

geschlossen

Telefon +41 71 242 40 40

Alle Standorte

Notfallnummer

+41 71 242 40 40

Datenschutz

Impressum

© 2026. All Rights Reserved.

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Eine hintere Kreuzbandverletzung (HKB) ist deutlich seltener als eine vordere Kreuzbandverletzung und entsteht meist durch direkte Gewalteinwirkung auf das gebeugte Knie, beispielsweise bei Verkehrsunfällen oder Stürzen. Typische Symptome sind Schmerzen in der Kniekehle, ein Instabilitätsgefühl beim Bergabgehen und Schwierigkeiten beim Treppensteigen. Die Behandlung reicht von funktioneller Therapie mit Physiotherapie über dynamische Vorschubschienen bis hin zur operativen Rekonstruktion, abhängig vom Schweregrad der Verletzung und dem Aktivitätsniveau des Patienten.

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Was ist eine hintere Kreuzbandverletzung?


Eine hintere Kreuzbandverletzung betrifft das hintere Kreuzband (HKB), eines der vier Hauptbänder des Kniegelenks. Das hintere Kreuzband verläuft von der hinteren Fläche des Schienbeinkopfes zum inneren Oberschenkelknochen und verhindert, dass das Schienbein gegenüber dem Oberschenkelknochen nach hinten verschoben wird. Verletzungen des hinteren Kreuzbandes sind deutlich seltener als Verletzungen des vorderen Kreuzbandes und entstehen meist durch direkte Gewalteinwirkung auf das gebeugte Knie. Sie treten häufig in Kombination mit anderen Bandverletzungen auf und können zu erheblichen Funktionseinschränkungen führen.


Ursachen


Hintere Kreuzbandverletzungen entstehen typischerweise durch spezifische Unfallmechanismen:

  • Direktes Trauma: Aufprall des Schienbeins bei gebeugtem Knie, beispielsweise bei Verkehrsunfällen (Armaturenbrett-Verletzung)
  • Sturz auf das gebeugte Knie: Aufprall auf die Vorderfläche des Schienbeins
  • Hyperextension: Überstrecken des Kniegelenks über die normale Streckung hinaus
  • Sportverletzungen: Kontaktsportarten wie Rugby, American Football oder Kampfsport
  • Kombinationsverletzungen: Häufig gemeinsam mit Verletzungen anderer Bänder oder Knorpelstrukturen
  • Hochrasanztraumen: Schwere Unfälle mit massiver Krafteinwirkung


Symptome


Die Beschwerden bei einer hinteren Kreuzbandverletzung können je nach Schweregrad variieren:

  • Schmerzen im Kniegelenk, insbesondere in der Kniekehle und beim Bergabgehen
  • Schwellung des Kniegelenks, oft weniger ausgeprägt als bei vorderen Kreuzbandverletzungen
  • Instabilitätsgefühl, besonders beim Abbremsen oder Bergabgehen
  • Schwierigkeiten beim Treppensteigen, insbesondere beim Hinuntergehen
  • Gefühl eines „Durchrutschens" oder „Nachgebens" des Knies
  • Bei chronischen Verletzungen zunehmende Schmerzen hinter der Kniescheibe (patellofemoral)


Diagnose


Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination verschiedener Untersuchungsmethoden:

  • Anamnese: Erfassung des Unfallhergangs und der Beschwerden
  • Klinische Untersuchung:
    • Hinterer Schubladentest: Prüfung der hinteren Verschieblichkeit des Schienbeins
    • Quadrizeps-Aktiv-Test: Beurteilung der Kniestabilität bei Muskelanspannung
    • Beurteilung von Begleitverletzungen
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Darstellung des hinteren Kreuzbandes und Erkennung von Begleitverletzungen
  • Röntgenuntersuchung: Ausschluss knöcherner Verletzungen und Beurteilung der Gelenkstellung
  • Rolimeter Test: Messung der hinteren Verschieblichkeit unter Belastung


Differentialdiagnose


Bei ähnlichen Beschwerden sollten andere Ursachen ausgeschlossen werden:

  • Verletzungen der posterolateralen Ecke des Kniegelenks
  • Isolierte Seitenbandverletzungen
  • Meniskusrisse, insbesondere im Hinterhorn
  • Knorpelschäden oder Knochenprellungen
  • Kniekehlen-Zysten (Baker-Zysten)


Funktionelle Therapie


Bei einer hinteren Kreuzbandverletzung mit geringer Instabilität wird häufig funktionell behandelt:

  • Ruhigstellung: Tragen einer Knieorthese in den ersten Wochen
  • Entlastung: Teilbelastung an Unterarmgehstützen zur Schonung des Gelenks
  • Physiotherapie: Gezielter Aufbau der Oberschenkelmuskulatur, insbesondere des Quadrizeps
  • Propriozeptives Training: Verbesserung der Koordination und neuromuskulären Kontrolle
  • Medikamente: Entzündungshemmende Schmerzmittel bei Bedarf, in der Anfangsphase


Dynamische Vorschubschiene


Bei einer hinteren Kreuzbandverletzung mit mittelgradiger Instabilität kann die Heilung unter Anwendung einer dynamischen Vorschubschiene (PCL-Jack, PCL Rebound) positiv beeinflusst werden. Voraussetzung ist ein Therapiebeginn innerhalb von 3 Wochen nach dem Unfall.

  • Schiene: Die Schiene wird während 3 Monaten 24 Stunden pro Tag getragen
  • Physiotherapie: Im Anschluss an die Schienenbehandlung gezielter Aufbau der Oberschenkelmuskulatur, insbesondere des Quadrizeps
  • Propriozeptives Training: Verbesserung der Koordination und neuromuskulären Kontrolle
  • Medikamente: Entzündungshemmende Schmerzmittel bei Bedarf, in der Anfangsphase


Operative Therapie


Eine operative Rekonstruktion wird in folgenden Situationen empfohlen:

  • Kombinationsverletzungen: Gleichzeitige Verletzung mehrerer Bandstrukturen
  • Chronische Instabilität: Anhaltende Beschwerden trotz konservativer Therapie
  • Hochgradige Ruptur: Komplette Zerreissung mit erheblicher Instabilität
  • Sportliche Anforderungen: Wunsch zur Rückkehr zu anspruchsvollen sportlichen Aktivitäten
  • Junge, aktive Patienten: Erhöhtes Risiko für Folgeschäden bei konservativer Behandlung


Operationsverfahren


  • Arthroskopische Rekonstruktion: Minimalinvasiver Ersatz des hinteren Kreuzbandes mit autologem Transplantat (Patellasehne, Hamstring-Sehnen oder Quadrizepssehne)
  • Versorgung von Begleitverletzungen: Gleichzeitige Rekonstruktion weiterer beschädigter Strukturen


Nachbehandlung


Die Rehabilitation nach HKB-Rekonstruktion ist anspruchsvoll und dauert länger als bei vorderen Kreuzbandverletzungen:

  • Phase 1 (0–6 Wochen): Ruhigstellung in Streckstellung, Vermeidung der aktiven Kniebeugung gegen Widerstand, passive Bewegungsübungen
  • Phase 2 (6–12 Wochen): Vorsichtige Belastungssteigerung, gezieltes Quadrizeps-Training, Vermeidung isolierter Hamstring-Übungen
  • Phase 3 (3–6 Monate): Funktionelles Training, Verbesserung der Koordination, Beginn sportartspezifischer Übungen
  • Phase 4 (6–12 Monate): Rückkehr zu sportlichen Aktivitäten unter therapeutischer Kontrolle
  • Langfristig: Kontinuierliches Krafttraining und neuromuskuläre Stabilisation


Regelmässige Nachkontrollen durch den Operateur und eine engmaschige physiotherapeutische Betreuung sind essenziell für den Behandlungserfolg


Prognose und Langzeitaussichten


Die Prognose hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Isolierte hintere Kreuzbandverletzungen haben bei konservativer Behandlung oft eine gute funktionelle Prognose
  • Kombinationsverletzungen erfordern meist eine operative Versorgung und haben eine komplexere Rehabilitation
  • Das Risiko für frühzeitige Arthrose ist erhöht, insbesondere bei begleitenden Knorpelschäden
  • Mit konsequenter Rehabilitation können viele Patienten zu ihrem vorherigen Aktivitätsniveau zurückkehren
  • Die langfristige Kniegelenksfunktion ist bei adäquater Behandlung meist gut


Weitere Informationen


Dieses Informationsblatt soll Ihnen einen allgemeinen Überblick über die hintere Kreuzbandverletzung geben. Für eine individuelle Beratung, Diagnostik und Therapieempfehlung vereinbaren Sie bitte einen Termin in unserer Sprechstunde oder lassen Sie sich über Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt zuweisen.

Die vorliegende Patienteninformation ist eine Ergänzung zum persönlichen Gespräch mit dem Arzt. Risiken und Komplikationen werden im Rahmen des Aufklärungsgesprächs mit Ihnen besprochen. Im Text wird die männliche Form verwendet – die weibliche Form ist immer mitgemeint. © Orthopädie Rosenberg AG

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Eine hintere Kreuzbandverletzung (HKB) ist deutlich seltener als eine vordere Kreuzbandverletzung und entsteht meist durch direkte Gewalteinwirkung auf das gebeugte Knie, beispielsweise bei Verkehrsunfällen oder Stürzen. Typische Symptome sind Schmerzen in der Kniekehle, ein Instabilitätsgefühl beim Bergabgehen und Schwierigkeiten beim Treppensteigen. Die Behandlung reicht von funktioneller Therapie mit Physiotherapie über dynamische Vorschubschienen bis hin zur operativen Rekonstruktion, abhängig vom Schweregrad der Verletzung und dem Aktivitätsniveau des Patienten.

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Was ist eine hintere Kreuzbandverletzung?


Eine hintere Kreuzbandverletzung betrifft das hintere Kreuzband (HKB), eines der vier Hauptbänder des Kniegelenks. Das hintere Kreuzband verläuft von der hinteren Fläche des Schienbeinkopfes zum inneren Oberschenkelknochen und verhindert, dass das Schienbein gegenüber dem Oberschenkelknochen nach hinten verschoben wird. Verletzungen des hinteren Kreuzbandes sind deutlich seltener als Verletzungen des vorderen Kreuzbandes und entstehen meist durch direkte Gewalteinwirkung auf das gebeugte Knie. Sie treten häufig in Kombination mit anderen Bandverletzungen auf und können zu erheblichen Funktionseinschränkungen führen.


Ursachen


Hintere Kreuzbandverletzungen entstehen typischerweise durch spezifische Unfallmechanismen:

  • Direktes Trauma: Aufprall des Schienbeins bei gebeugtem Knie, beispielsweise bei Verkehrsunfällen (Armaturenbrett-Verletzung)
  • Sturz auf das gebeugte Knie: Aufprall auf die Vorderfläche des Schienbeins
  • Hyperextension: Überstrecken des Kniegelenks über die normale Streckung hinaus
  • Sportverletzungen: Kontaktsportarten wie Rugby, American Football oder Kampfsport
  • Kombinationsverletzungen: Häufig gemeinsam mit Verletzungen anderer Bänder oder Knorpelstrukturen
  • Hochrasanztraumen: Schwere Unfälle mit massiver Krafteinwirkung


Symptome


Die Beschwerden bei einer hinteren Kreuzbandverletzung können je nach Schweregrad variieren:

  • Schmerzen im Kniegelenk, insbesondere in der Kniekehle und beim Bergabgehen
  • Schwellung des Kniegelenks, oft weniger ausgeprägt als bei vorderen Kreuzbandverletzungen
  • Instabilitätsgefühl, besonders beim Abbremsen oder Bergabgehen
  • Schwierigkeiten beim Treppensteigen, insbesondere beim Hinuntergehen
  • Gefühl eines „Durchrutschens" oder „Nachgebens" des Knies
  • Bei chronischen Verletzungen zunehmende Schmerzen hinter der Kniescheibe (patellofemoral)


Diagnose


Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination verschiedener Untersuchungsmethoden:

  • Anamnese: Erfassung des Unfallhergangs und der Beschwerden
  • Klinische Untersuchung:
    • Hinterer Schubladentest: Prüfung der hinteren Verschieblichkeit des Schienbeins
    • Quadrizeps-Aktiv-Test: Beurteilung der Kniestabilität bei Muskelanspannung
    • Beurteilung von Begleitverletzungen
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Darstellung des hinteren Kreuzbandes und Erkennung von Begleitverletzungen
  • Röntgenuntersuchung: Ausschluss knöcherner Verletzungen und Beurteilung der Gelenkstellung
  • Rolimeter Test: Messung der hinteren Verschieblichkeit unter Belastung


Differentialdiagnose


Bei ähnlichen Beschwerden sollten andere Ursachen ausgeschlossen werden:

  • Verletzungen der posterolateralen Ecke des Kniegelenks
  • Isolierte Seitenbandverletzungen
  • Meniskusrisse, insbesondere im Hinterhorn
  • Knorpelschäden oder Knochenprellungen
  • Kniekehlen-Zysten (Baker-Zysten)


Funktionelle Therapie


Bei einer hinteren Kreuzbandverletzung mit geringer Instabilität wird häufig funktionell behandelt:

  • Ruhigstellung: Tragen einer Knieorthese in den ersten Wochen
  • Entlastung: Teilbelastung an Unterarmgehstützen zur Schonung des Gelenks
  • Physiotherapie: Gezielter Aufbau der Oberschenkelmuskulatur, insbesondere des Quadrizeps
  • Propriozeptives Training: Verbesserung der Koordination und neuromuskulären Kontrolle
  • Medikamente: Entzündungshemmende Schmerzmittel bei Bedarf, in der Anfangsphase


Dynamische Vorschubschiene


Bei einer hinteren Kreuzbandverletzung mit mittelgradiger Instabilität kann die Heilung unter Anwendung einer dynamischen Vorschubschiene (PCL-Jack, PCL Rebound) positiv beeinflusst werden. Voraussetzung ist ein Therapiebeginn innerhalb von 3 Wochen nach dem Unfall.

  • Schiene: Die Schiene wird während 3 Monaten 24 Stunden pro Tag getragen
  • Physiotherapie: Im Anschluss an die Schienenbehandlung gezielter Aufbau der Oberschenkelmuskulatur, insbesondere des Quadrizeps
  • Propriozeptives Training: Verbesserung der Koordination und neuromuskulären Kontrolle
  • Medikamente: Entzündungshemmende Schmerzmittel bei Bedarf, in der Anfangsphase


Operative Therapie


Eine operative Rekonstruktion wird in folgenden Situationen empfohlen:

  • Kombinationsverletzungen: Gleichzeitige Verletzung mehrerer Bandstrukturen
  • Chronische Instabilität: Anhaltende Beschwerden trotz konservativer Therapie
  • Hochgradige Ruptur: Komplette Zerreissung mit erheblicher Instabilität
  • Sportliche Anforderungen: Wunsch zur Rückkehr zu anspruchsvollen sportlichen Aktivitäten
  • Junge, aktive Patienten: Erhöhtes Risiko für Folgeschäden bei konservativer Behandlung


Operationsverfahren


  • Arthroskopische Rekonstruktion: Minimalinvasiver Ersatz des hinteren Kreuzbandes mit autologem Transplantat (Patellasehne, Hamstring-Sehnen oder Quadrizepssehne)
  • Versorgung von Begleitverletzungen: Gleichzeitige Rekonstruktion weiterer beschädigter Strukturen


Nachbehandlung


Die Rehabilitation nach HKB-Rekonstruktion ist anspruchsvoll und dauert länger als bei vorderen Kreuzbandverletzungen:

  • Phase 1 (0–6 Wochen): Ruhigstellung in Streckstellung, Vermeidung der aktiven Kniebeugung gegen Widerstand, passive Bewegungsübungen
  • Phase 2 (6–12 Wochen): Vorsichtige Belastungssteigerung, gezieltes Quadrizeps-Training, Vermeidung isolierter Hamstring-Übungen
  • Phase 3 (3–6 Monate): Funktionelles Training, Verbesserung der Koordination, Beginn sportartspezifischer Übungen
  • Phase 4 (6–12 Monate): Rückkehr zu sportlichen Aktivitäten unter therapeutischer Kontrolle
  • Langfristig: Kontinuierliches Krafttraining und neuromuskuläre Stabilisation


Regelmässige Nachkontrollen durch den Operateur und eine engmaschige physiotherapeutische Betreuung sind essenziell für den Behandlungserfolg


Prognose und Langzeitaussichten


Die Prognose hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Isolierte hintere Kreuzbandverletzungen haben bei konservativer Behandlung oft eine gute funktionelle Prognose
  • Kombinationsverletzungen erfordern meist eine operative Versorgung und haben eine komplexere Rehabilitation
  • Das Risiko für frühzeitige Arthrose ist erhöht, insbesondere bei begleitenden Knorpelschäden
  • Mit konsequenter Rehabilitation können viele Patienten zu ihrem vorherigen Aktivitätsniveau zurückkehren
  • Die langfristige Kniegelenksfunktion ist bei adäquater Behandlung meist gut


Weitere Informationen


Dieses Informationsblatt soll Ihnen einen allgemeinen Überblick über die hintere Kreuzbandverletzung geben. Für eine individuelle Beratung, Diagnostik und Therapieempfehlung vereinbaren Sie bitte einen Termin in unserer Sprechstunde oder lassen Sie sich über Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt zuweisen.

Die vorliegende Patienteninformation ist eine Ergänzung zum persönlichen Gespräch mit dem Arzt. Risiken und Komplikationen werden im Rahmen des Aufklärungsgesprächs mit Ihnen besprochen. Im Text wird die männliche Form verwendet – die weibliche Form ist immer mitgemeint. © Orthopädie Rosenberg AG

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